Das Jahr 2020 – ein Rückblick

Ein etwas anderer Jahresrückblick mit vielen Kuriositäten rund um den Schulalltag in Conona-Zeiten.

„Denn dieses Jahr werden wir nicht so schnell vergessen! Wir hoffen auf ein besseres 2021“

Eigentlich schreiben wir keine Jahresrückblicke. Bisher zumindest noch nicht. Wenn, dann höchstens über ein Schuljahr. Es gibt eine Schulchronik. Da steht dann drin, wie viele Kinder eingeschult wurden, wie viele Klassen es gibt, welche Lehrer unterrichten, wie der Hausmeister heißt und was sonst noch geschehen ist im Jahr. Meist ist es schnell geschrieben und wird dann in einem dicken Ordner abgeheftet. Manchmal kommt noch ein Einschulungsfoto hinzu. Fertig. Für die Nachwelt, die Leute, die dann in zehn Jahren an der Grundschule Ratmerstein arbeiten werden. Doch dieses Jahr ist anders als alle anderen Jahre. Deshalb haben wir es aufgeschrieben, mit allen verrückten, kuriosen und manchmal auch lustigen Erinnerungen. Obwohl es alles andere als lustig war. Aber mit Humor lebt es sich doch ein wenig besser, vor allem in Zeiten, die eigentlich nicht zum Lachen sind. Das Jahr 2020, das allen noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird. Ein Jahr, in dem Schule alles andere war als normal.

Dienstag, 07. Januar – Das Jahr startet nach den Weihnachtsferien, alles wie immer. In der Aula findet das gemeinsame Morgensingen mit der ganzen Schule statt. Alle starten mit neuer Motivation in das Jahr 2020. Doch nach einigen Wochen ist ein neues Wort in aller Munde. „Corona“. Auch bei uns an der Schule reden einige davon. Ein neuartiges Virus aus China. Da China aber weit weg ist, kommt es bestimmt nicht bis zu uns. So geht das normale Leben seinen gewohnten Gang.

Donnerstag, 20. Februar – Wir feiern Karneval in der Schule. Mit Buffet, Spielen in der Klasse und einer großen Polonaise durch die Schule. Zum Abschluss tanzen wir mit allen Kindern in der Aula. Alles ist gut.

Nach Karneval überschlagen sich die Ereignisse. Man hört von einem „Superspreader-Event“, auf der das Virus nun auch in Deutschland verbreitet wurde. Eine Kappensitzung in Heinsberg und mehrere Après-Ski-Partys in Ischgl werden genannt. In Italien herrscht bereits der Ausnahmezustand. Ausgangssperre und volle Intensivstationen. Trotzdem – Corona ist für uns in Brilon immer noch sehr weit weg.

Donnerstag, 12. März – An diesem Tag soll der Kennenlernnachmittag der Schulanfänger stattfinden.  Wie jedes Jahr werden alle Eltern und Kinder in die Schule eingeladen. Die Kinder verbringen eine Unterrichtsstunde zusammen. Für die Eltern gibt es die Möglichkeit sich kennenzulernen. Alles ist vorbereitet. Die Aula mit Stehtischen und Blumen geschmückt, die Klassenräume vorbereitet. Die LehrerInnen freuen sich auf die neuen Kinder. Mittags erreicht uns die Nachricht, dass es in Brilon den ersten Corona-Fall gibt. Nach Rücksprache mit der Stadt wird entschieden, die Veranstaltung abzusagen. Alle Eltern werden angerufen.

Freitag, 13.März – Ein Datum, das uns noch sehr lange im Gedächtnis bleibe wird. Am Vormittag geht der Blick immer wieder auf dem Newsticker. Immer mehr Bundesländer schließen die Schule. Ein mulmiges Gefühl macht sich breit. Wie wird es weitergehen? Um 13.30 Uhr, es gibt eine Pressekonferenz mit Armin Laschet.  Gespannt sitzen wir mit vier Kollegen im Klassenraum vor dem Smartboard. Auch NRW schließt nun ab dem kommenden Montag alle Kindergärten und Schulen sowie den Einzelhandel. Die Kinder sollen von zu Hause aus lernen. „Homeschooling“ heißt das neue Wort. Drei Wochen vor den Osterferien. Es findet nur eine Notbetreuung für Eltern in „systemrelevanten“ Berufen statt.

Montag, 16.MärzDienstbesprechung im Lehrerzimmer: Was ist nun alles zu bedenken?? Für alle eine neue Situation. Schule ohne Kinder?? Geht nicht? – Muss jetzt gehen. E-Mail-Adressen von Eltern werden eingeholt. E-Mail-Klassenverteiler werden eingerichtet. Alles mit der privaten Adresse der LehrerInnen. Dienst-E-mail?? Haben wir nicht.
Wer kann zu Hause ausdrucken? Wer nicht? Telefonlisten werden aktualisiert. Wer benötigt Notbetreuung? Das Telefon steht nicht still. Es werden Wochenpläne für die Kinder erstellt mit Aufgaben zur Wiederholung. Größtenteils können diese per E-Mail verschickt werden. Alles andere geht in die Post. Wir hoffen, dass alles ankommt.

Im Laufe der Woche trudeln einige Briefe in der Schule ein. Verschicktes Material, welches wieder zurückkommt. Da waren wohl einige falsche Adresse hinterlegt.

Sonntag, 23.März – Pressekonferenz mit der Kanzlerin: Kontaktbeschränkungen werden ausgesprochen. Nur zwei Personen dürfen sich in der Öffentlichkeit treffen.

Zu den meisten Kindern und Eltern kann Kontakt gehalten werden. Allen geht es soweit gut. Alle gesund. Die Hauptsache. Alle gehen davon aus: „Nach den Osterferien geht alles wieder seinen gewohnten Gang.“ Die Zeit bis dahin wird so gut es geht überbrückt. Grüße von LehrerInnen, Erziehern und Kindern hängen am Schulzaun. Herr Westermann installiert eine Schul-Cloud. Hier können Fotos, Videos, Musikstücke …. hochgeladen werden. Von allen Dingen, die man so tut, wenn man nicht viel anderes tun kann. Not macht bekanntlich erfinderisch. So finden sich hier Musikstücke, Zaubertricks, selbst Gebasteltes und vieles mehr. Eine Klasse startet die Löwenzahn-Challenge. Wer gräbt die längste Wurzel aus? Da wurde viel gebuddelt, die längste ausgegrabene Wurzel ist 1,65 m lang. Wahrscheinlich ähneln einige Vorgärten jetzt einer Kraterlandschaft.

Montag, 20.April – Eigentlich sind heute die Osterferien zu Ende. Aber Fehlanzeige. Homeschooling geht weiter. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. Um besser mit den Eltern kommunizieren zu können, arbeiten wir nun mit Schoolfox – einem Schul-Messenger-Programm. Die Stadt trägt die Kosten. Alle Schüler werden in das System eingegeben – Einladungscodes werden an die Eltern verschickt.
In den Jahrgangsteams herrscht Krisenstimmung. Man kann nicht nur wiederholen. Neue Lerninhalte müssen vermittelt werden. Doch wie?? Kann man das den Eltern zumuten?? Erklärvideos können helfen. Bei Youtube gibt es schon einige. Die wären doch toll. Haben alle Eltern Internet?? Einige Kollegen drehen selbst Videos. Trotzdem alles sehr unbefriedigend. Wer hat’s verstanden? Wer nicht??

Donnerstag, 30.AprilEine neue Schulmail erreicht uns. Es geht wieder los! Nächste Woche schon! Allerdings nicht für alle gleichzeitig, sondern im „rollierenden System“. Eine Wortneuschöpfung von Frau Gebauer? Das bedeutet, jeden Tag kommen einige Kinder. Über die ganze Woche verteilt. Jeder mindestens einmal pro Woche. Mindestabstände müssen eingehalten werden. Einzelne Gruppen müssen strikt voneinander getrennt werden. Das bedeutet pro Klasse maximal 9 Kinder. In den Klassen beginnt das große Möbelrücken. Mit Zollstock und Klebeband bewaffnet werden Tische im Mindestabstand gestellt und Zonen um Waschbecken abgeklebt. Die sonst so liebevoll eingerichteten Klassenräume sind nun eher kahl. Alles was nicht gebraucht wird oder angefasst werden darf landet im Nebenraum. Der ist jetzt voll. Aber da darf ja sowieso keiner rein. Was ist noch zu bedenken. Ein Plan muss her. Wer kommt wann?? Alle Klassen werden gedrittelt. So können alle auch bei ihrem Klassenlehrer Unterricht bekommen. Sehr wichtig – finden wir – wenn man sich so lange nicht gesehen hat. Buskinder müssen gut aufgeteilt werden, im Bus dürfen nur 18 Kinder sein. Geschwisterkinder sollen am gleichen Tag kommen, um möglichst auch die Eltern zu entlasten. Diese ganzen Pläne müssen dann bis Freitag bei den Eltern sein, damit jeder auch weiß wann Schule ist. Eine Mammutaufgabe.

Montag, 04.05.2020 – Beginn des rollierenden Systems – das bedeutet, an der Grundschule Ratmerstein beginnen die Waldwochen: Reh, Hirsch, Dachs, Wildschwein und Eichhörnchen. Hört sich eher nach Forstamt an als nach Schule, sorgt jedoch dafür, dass jeder weiß an welchem Tag Schule ist. Der Plan soll bis zu den Sommerferien gelten. Durch Feiertage und Brückentage verschiebt sich alles, so dass die Rehe nicht immer am Montag kommen, sondern durchaus auch an anderen Wochentagen. Die Verwirrung ist groß, doch es ruckelt sich so ein. Morgens auf dem Schulhof hört man Sätze wie: „Ist heute Hirsch?? Aber ich bin doch ein Reh!“, „Nein, du bist Notbetreuung – du musst vor der Turnhalle warten.“ Hört sich seltsam an?? Für uns völlig normal in dieser verrückten Zeit.

Morgens stehen die Kinder an Pylonen auf dem Schulhof und warten bis sie nacheinander die Schule betreten dürfen. Einige tragen Masken. Kein Gerenne, kein Geschupse, alles auf Abstand. In jeder Klasse gibt es Plexiglasscheiben. Gut, dass wir Handwerks-Ehemänner im Kollegium haben, Plexiglasscheiben sind schon ausverkauft. So können Dinge sicher erklärt und Aufgaben kontrolliert werden. Lehrer tragen Masken oder Faceshields, oder beides. Das sieht schon ein bisschen lustig aus. Für uns alle hat das mit normalem Schulalltag nichts zu tun. Alles geht nur mit Abstand. Niemand darf den eigenen Platz verlassen ohne vorher zu Fragen. Kinder dürfen nicht mehr zusammenarbeiten oder Material ausleihen. Der klassische Frontalunterricht kehrt zurück in unseren Schulalltag. Mehrmals am Tag werden Hände gewaschen. Vor dem Unterricht, vorm Essen, nach der Pause. 2 x „Happy Birthday“ wird zum Klassenhit! Ein neuer Pausenplan muss noch her! Der Schulhof ist in zwei Hälften geteilt. Auf jeder Seite darf immer eine Klasse Pause machen. Mischen geht nicht. Pause ist jetzt von 9.00 Uhr bis 10.00 Uhr. So lange dauert es bis alle Klassen durch sind. Auch der Bereich hinter der Schule wird zum Pausenhof. Sonst reicht der Platz nicht aus. Wir rollieren so vor uns hin, es klappt gut. Es sind nur wenige Kinder in der Klasse, alle fühlen sich sicher. So wird man die Zeit bis zu den Sommerferien gut schaffen können, ohne sich anzustecken.

Freitag,  05. Juni 4 Wochen später, schon ist wieder alles anders. Die nächste Schulmail erreicht uns.  Freitags ist sowieso der Tag der Schulmails. Oder samstagabends. Aber meistens freitags. Diesmal kommt sie sogar schon vormittags, gegen 10 Uhr. Das ist wirklich früh. Frau Gebauer schreibt: „Die Pandemielage hat sich geändert. Die Zahlen sind runtergegangen. Unterricht ist mit allen wieder möglich.“ Ab dem 15.06.2020 sollen alle Kinder wieder täglich die Schule besuchen, im Klassenverband, ohne zu mischen. Einige Kinder schauen verwundert: „Wie sollen wir denn dann Abstand halten?“ „Gar nicht mehr“, sagen wir. Geht ja dann auch nicht mehr.

Es muss wieder ein neuer Plan her. Zeitlich ist es eng, da die kommende Woche eigentlich nur aus drei Schultagen besteht.  Deshalb wird schnell ein neuer Stundenplan gebasteln. Der gefühlt zehnte für dieses Jahr. Deshalb können wir das schon wirklich schnell. Nach dem Wochenende ist er fertig, die Eltern werden informiert, dass alle Kinder ab dem 15.06.2020 wieder zur Schule kommen sollen. Also alles wieder wie immer?? Nicht ganz. Die getrennten Pausen bleiben, Fachlehrerunterricht wird so gut es geht vermieden. Weiterhin gilt, möglichst wenig Kontakt. Zwei Wochen vor den Sommerferien kommen also wieder alle Kinder täglich in die Schule. Für alle ein seltsames Gefühl in den ersten Tagen. So hat man doch 6 Wochen den Kindern gesagt, dass es ganz wichtig ist Abstand zu halten. Jetzt geht’s nicht mehr, da die Klassen wieder voll sind. LehrerInnen sollen so gut es geht zu den Kindern auch während des Unterrichts den Abstand einhalten. Wie das gehen soll sagt einem aber keiner.

Es gibt sogar Abschlussfeiern der Klassen 4. Die Klassenlehrer, Eltern und Kinder werden kreativ. Das Wetter spielt mit. Mit Abstand und draußen, ein gelungener Abschluss.

Wir schaffen die Zeit bis zu den Sommerferien gut. Alle sind erleichtert. Es sind keine Corona-Fälle bekannt geworden. Auch von anderen Schulen in Brilon hört man nichts dergleichen. Ist es vielleicht doch schon das Ende der Pandemie?? Alle hoffen es – glauben kann es keiner so richtig. Wie es nach den Sommerferien weiter gehen soll, weiß noch keiner.

Montag, 03.August – Eine neue Schulmail ist da! Diesmal an einem Montag! Super! Das Ministerium lernt dazu. Und das sogar schon eine Woche vor dem offiziellen Schulstart. Schön, dass man jetzt früh weiß, was man noch vorzubereiten hat. „Konzept für einen angepassten Schulbetrieb in Corona-Zeiten für das Schuljahr 2020/2021“ – man darf gespannt sein in Anbetracht der Tatsache, dass die Zahlen in Deutschland wieder ansteigen.

  • Im Gebäude besteht für alle die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung
  • Kinder in der Grundschule dürfen die Mund-Nase-Bedeckung abnehmen, sobald sie an ihrem eigenen Sitzplatz sitzen.
  • Erwachsene dürfen die Mund-Nase-Bedeckung abnehmen, wenn der Mindestabstand zu allen Personen im Raum eingehalten werden kann.
  • Es sollen weiterhin feste Lerngruppen gebildet werden. Auch OGS-Gruppen sind feste Gruppen, auch wenn sie aus Kindern unterschiedlicher Klassen bestehen.
  • Händewaschen bleibt ein mehrfach tägliches Ritual.
  • Kinder in Quarantäne erhalten Distanzunterricht.
  • Im Musikunterricht darf nicht gesungen werden – sonst natürlich auch nicht.
  • Sportunterricht darf nur draußen stattfinden.

So beginnt die Schule wieder. Einschulungsfeiern ohne geselligen Charakter sind erlaubt. Also gibt es drei Gottesdienste, für Klasse 1a, 1b und 1c. Mit Ansprache und Begrüßung durch einige Kinder aus Klasse vier. 20 Minuten Gottesdienst, dann ab zur Schule, 20 Minuten Unterricht, alle schnell wieder raus weil schon die nächste Klasse unterwegs ist. Nicht, dass die sich auf dem Schulgelände begegnen! Man muss sich Gedanken über Probleme machen, die vor Corona überhaupt kein Problem waren.

Die große Pause wird aufgeteilt. Klasse 1 und 2 machen zuerst auf dem Schulhof Pause und frühstücken danach, in Klasse 3 und 4 läuft es umgekehrt. So sind nur ungefähr 120 Kinder gleichzeitig auf dem Schulhof.

Die Klassen halten sich sehr gut an die neuen Regeln. Nur wenige müssen daran erinnert werden, ihre Maske richtig zu tragen. Wie schnell man sich an so etwas gewöhnt.

Lüften soll auch helfen, sagt Frau Gebauer. Um die Aerosole aus den Räumen zu bekommen. Also wird wie verrückt gelüftet. Kreuz und quer und stoßweise und dauernd. Bei gutem Wetter auch kein Problem, da ist man eh froh um jedes Lüftchen, das durch den Klassenraum weht. Wie das bei kälteren Temperaturen wird, bleibt abzuwarten.

Einen Vorteil bringt das ständige Lüften auch mit sich: Das Abheften von Zetteln gelingt doch dadurch deutlich besser, fliegen sie sonst doch gern je nach Windstärke auch quer durch den Raum. So sehen jetzt doch viele Arbeitsplätze ein wenig ordentlicher aus.

Donnerstag, 08. Oktober Die  nächste Schulmail kommt. Ein Donnerstag!! Sogar noch vor den Herbstferien!! Jetzt kommt bestimmt eine gute Idee, wie es danach weitergeht. Die Fallzahlen steigen bereits jetzt rasant an. Man bleibt ja hoffnungsvoll. Leider steht in der Schulmail nichts Neues außer weiter zu lüften. Und es soll FFP2 Masken für die Lehrkräfte geben. Wenigstens etwas, denken wir. Die aus dem eigenen Portmonee bezahlten FFP2 Masken gehen ja auch langsam zur Neige.

Nach den Herbstferien hört man täglich in den Nachrichten Berichte über geschlossene Klassen oder ganze Schulen. Überall im Land treten Fälle in den doch so sicheren Schulen auf. Ganze Schulklassen werden in Quarantäne geschickt. Mancherorts sind sogar komplette Schulen geschlossen. Das sind nicht gerade sehr beruhigende Aussichten. Querdenker-Aktionen werden lauter. Proteste von tausenden Menschen gegen die Corona-Maßnahmen. Viele ohne Maske, ohne Abstand. Geradeausdenken würde manchmal schon reichen.

Frau Gebauer betont immer wieder, dass die Schulen ein sicherer Ort sind und keine Infektionsherde. Es seien über 95% der Schüler und Lehrer im Präsenzunterricht. Das ist doch ein toller Wert. Finden wir auch. Nur für die anderen 5% ist es echt blöd. Das sind nämlich auch schon über einhundert-tausend Personen.

Auch an unserer Schule sind nun auch einzelne Kinder in Quarantäne und werden somit homebeschoolt. Ganze Klassen sind noch nicht geschlossen. Zum Glück! Für die KlassenlehrerInnen bedeutet dies allerdings ein Spagat zwischen den Kindern im Präsenzunterricht und den Kindern zu Hause. Wir lüften uns so durch den Schultag. Alle 20 Minuten sagt Frau Gebauer. Für 3 bis 5 Minuten muss es schon sein. CO²- Messgeräte werden angeschafft. Schon nach 15 Minuten rät das Gerät zu lüften. Deshalb heißt es Gerät, vieles wird einem jetzt erst bewusst. Es ist also frisch in den Klassen. Einige Kinder tragen Jacke, Mütze, Schal und Decke. Sonst verboten – wegen der Läuse, aber die sterben in Corona-Zeiten mangels Kontakt auch aus – im Moment aber völlig in Ordnung. Frieren ist ja auch doof. Dann ist ja auch nicht mehr zwischen normaler Erkältung  und Corona-Symptomen zu unterscheiden. Für einen Corona-Test bei Kindern wird die Anzahl der notwendigen Symptome übrigens von 2 auf 3 erhöht.

Mittwoch, 28.Oktober – Nur zwei Wochen nach den Herbstferien ist fast ganz Deutschland Risikogebiet. Für den Monat November wird ein Lockdown-Light angeordnet. Die Kontaktbeschränkungen werden verschärft. Es ist nur noch Individualsport erlaubt. Für viele heißt das „Kein Fußballtraining“. Bei uns in der Schule auch kein Sport. Weil unsere Turnhalle nicht zu lüften ist. Wir haben nur Oberlichter. Das reicht nicht aus für den Schulsport.

Etwas Tolles ist aber doch passiert: Unser Schulhof wird endlich saniert!! Der Bagger kommt in den Herbstferien und die Baustelle beginnt. Das heißt aber auch, noch weniger Platz während der Pausen.

Montag, 30.NovemberEine  neue Schulmail. Schon wieder ein Montag! Was ist da los? Alles ist dicht! Kein Sportverein, kein Fitnessstudio, aber die Schulen bleiben komplett geöffnet. Zumindest ist das der Fahrplan der Schulministerin. Präsenzunterricht hat absoluten Vorrang. Die Schulen sollen als letztes schließen, wenn alle anderen Maßnahmen nicht greifen. Ist ja auch richtig, die Schulen möglichst lange offen zu halten. Allerdings greifen auch bisher keine anderen Maßnahmen. Der Lockdown-Light hat bisher nichts gebracht. Die Fallzahlen stagnieren, aber auf sehr hohem Niveau. Über 10.000 Neuinfizierte täglich. Noch vier Wochen bis zu den Weihnachtsferien. Wenn das mal gut geht!

Die Ferien für die SchülerInnen hat man schon mal zwei Tage vorgezogen. Letzter Unterrichtstag soll jetzt der 18.12.2020 sein statt des 22.12.2020. So kann sich jeder eine knappe Woche vor Weihnachten in Quarantäne begeben, bevor man dann gemeinsam Weihnachten feiert. Für die zwei Tage findet eine Notbetreuung durch die LehrerInnen statt.

Es geht noch zwei Wochen gut. Die Zahlen der täglichen Neuinfektionen steigen rasant an. Ebenso die Zahl der Toten.

Freitag!!!!, 11. Dezember Die  nächste Schulmail kommt um 13:32 Uhr. Es geht also doch noch alles seinen gewohnten Gang im Schulministerium?! Die letzten Kinder sind um 13.15 Uhr gegangen. Gut, dass wir vorsorglich allen ihre Bücher mitgegeben haben. Frau Gebauer schreibt: „Angesichts der stark steigenden Fallzahlen findet für alle Schüler ab Klasse 8 in der kommenden Woche nur noch Distanzunterricht statt. Die Eltern der Kinder der Jahrgänge 1 – 7 dürfen selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder schicken oder von zu Hause aus lernen lassen.“

Sonntag, 13.DezemberPressekonferenz der Kanzlerin. Sie und Herr Laschet bitten die Bevölkerung eindringlich soziale Kontakte einzuschränken und die Kinder zu Hause zu lassen, wenn es eben möglich ist. Deutschland geht ab dem 16.12.2020 in einen zweiten Lockdown. Alles ist wieder zu. Schulen sollen auch schließen.

Damit ist die Verwirrung perfekt. Was denn nun?? Sind die Schulen offen, oder nicht?? Wir hoffen auf wenige Kinder in den Klassen, um wieder Abstand halten zu können. Im Laufe der folgenden Woche ist dies auch wieder gut möglich. Die Klassen sind größtenteils leer. Nur wenige Schüler sind anwesend, die anderen lernen von zu Hause aus. Am Freitag, den 18.12.2020 verabschieden wir auch diese in die Weihnachtsferien und hoffen, dass wir uns am 11.01.2021 alle wiedersehen. Wie es dann weitergeht, weiß noch keiner. Rollierend, Distanzlernen, Hybridunterricht, Homeschooling, Vollbetrieb, Wechselsystem, Schichtbetrieb, mit Stoßlüften oder Querlüften… Wir haben viele neue Wörter gelernt, die eigentlich nichts mit Schule zu tun haben. Das Jahr 2020 steckte voller Überraschungen. Wir hoffen auf ein ruhiges 2021. Mit allen Kindern, allen Kollegen, einfach normaler Unterricht. Hört sich langweilig an – ist es vielleicht manchmal auch. Trotzdem ist es genau das, was im Moment fehlt. Ein einfach total normales, langweiliges Leben.

Hoffen wir, dass wir alle weiterhin gut durch diese Pandemie kommen, die die Menschheit von diesem normalen Leben abhält, das sich alle so sehr wünschen. Ein kleiner Lichtblick ist da – es gibt einen Impfstoff. Ab dem 27.12.2020 soll es losgehen.

© Grundschule Ratmerstein, Sabrina Arens, Dezember 2020